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Deine Zeit



Deine Zeit


  • Mit was verbringst du deine Zeit?

  • Was schnappt deine Aufmerksamkeit?

  • Was hält dich ab, deinem Zweck der Existenz zu folgen?


Ich lese gerade wieder das Buch von John Strelecky "Das Café am Rande der Welt" und genieße gerade das Kapitel 6 mit der Botschaft der grünen Meeresschildkröte.


Kennst du es?

So oder so von Herzen für dich:


Auszug aus dem Buch von John Strelecky

Das Café am Rande der Welt

Kapitel 6



»Haben Sie schon einmal eine grüne Meeresschildkröte gesehen, John?« »Eine grüne Meeresschildkröte?« »Genau«, sagte Casey, »eine grüne Meeresschildkröte. Und zwar eine große grüne Meeresschildkröte mit grünen Flecken auf den Flossen und am Kopf.« »Ich glaube, ich habe bereits Fotos von ihr gesehen«, sagte ich. »Warum fragen Sie?« »So seltsam es sich auch anhören mag«, begann Casey, »eine der wichtigsten Lebenslehren in Bezug darauf, welche Dinge ich jeden Tag tue, hat mir eine große grüne Meeresschildkröte vermittelt.« »Was hat sie Ihnen denn gesagt?«, fragte ich und konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. »Lustig, nicht wahr?«, meinte Casey und lächelte zurück. »Sie hat mir eigentlich nichts ›gesagt‹, aber trotzdem habe ich eine ganze Menge von ihr gelernt.


Während eines Urlaubs auf Hawaii schnorchelte ich einmal an der Küste entlang. Der Tag war bereits spektakulär gewesen, da ich zum ersten Mal in meinem Leben einen gepunkteten Aal sowie einen Tintenfisch gesehen hatte. Darüber hinaus gab es Tausende von Fischen in allen erdenklichen Farben, vom auffällig leuchtenden Neonblau bis zum tiefsten Rotton. Ich war zirka 30 Meter vom Strand entfernt und tauchte gerade an einigen großen Felsen hinunter, als ich rechts von mir eine große grüne Meeresschildkröte erblickte, die neben mir herschwamm. Ich hatte bisher noch nie eine in der freien Natur gesehen und war daher außer mir vor Freude. Ich tauchte zur Oberfläche hoch, pustete das Wasser aus meinem Schnorchel und ließ mich auf dem Wasser treiben, um sie zu beobachten.


Die Meeresschildkröte befand sich genau unter mir und schwamm vom Ufer fort. Ich entschloss mich, an der Oberfläche zu bleiben und sie eine Weile zu beobachten. Verblüfft stellte ich fest, dass es mir nicht gelang, so schnell voranzukommen wie sie, obwohl es so aussah, als würde sie sich ziemlich langsam vorwärts bewegen. Sie paddelte hin und wieder mit den Flossen, um sich dann einfach wieder im Wasser treiben zu lassen. Ich trug Schwimmflossen, die mir einen kraftvollen Vorwärtsschub verliehen. Außerdem wurde meine Bewegung nicht durch eine Schwimmweste oder etwas anderes gebremst, doch die Meeresschildkröte entfernte sich immer weiter von mir, sosehr ich auch versuchte, mit ihr mitzuhalten. Nach zirka zehn Minuten hatte sie mich abgehängt. Erschöpft, enttäuscht und etwas beschämt darüber, dass eine Schildkröte schneller war als ich, machte ich kehrt und schnorchelte zum Ufer zurück.


Am nächsten Tag kehrte ich, in der Hoffnung, weitere Schildkröten zu sehen, an den gleichen Ort zurück. Und tatsächlich, zirka 30 Minuten, nachdem ich ins Wasser gewatet war, sah ich einen Schwarm kleiner schwarzgelber Fische sowie eine grüne Meeresschildkröte. Ich beobachtete sie eine Weile, während sie um eine Koralle herumpaddelte, und versuchte, ihr zu folgen, als sie vom Ufer fortschwamm. Wieder war ich überrascht festzustellen, dass ich nicht mit ihr mithalten konnte. Als ich das bemerkte, hörte ich auf, mit den Schwimmflossen zu paddeln, und ließ mich treiben, um sie zu beobachten. In diesem Moment vermittelte sie mir eine wichtige Lebenslehre.«


Casey hörte auf zu reden. »Casey, Sie können an diesem Punkt nicht mit der Geschichte aufhören. Was hat sie Ihnen beigebracht?« Sie lächelte mich an. »Ich dachte, Sie glauben nicht daran, dass grüne Meeresschildkröten uns etwas zu sagen haben?« Ich erwiderte ihr Lächeln. »Nun, ich bezweifle nach wie vor, dass sie etwas ›sagen‹ können, aber so wie die Geschichte sich entwickelt, beginne ich langsam an die Möglichkeit zu glauben, dass sie uns etwas lehren können.


Was geschah also?« »Als ich mich an der Oberfläche treiben ließ, fiel mir auf, dass die Schildkröte ihre Bewegungen der des Wassers anpasste. Wenn sich eine Welle auf das Ufer zubewegte und der Schildkröte ins Gesicht schwappte, ließ diese sich treiben und paddelte gerade so viel, um ihre Position zu halten. Und wenn die Welle wieder zum Ozean hinausströmte, paddelte sie schneller, um die Bewegung des Wassers zu ihrem Vorteil zu nutzen. Die Schildkröte kämpfte nie gegen die Wellen an, sondern nutzte sie für sich.


Ich konnte nicht mit ihr mithalten, weil ich die ganze Zeit strampelte, egal in welche Richtung das Wasser strömte. Anfangs war das noch in Ordnung, und es gelang mir, auf gleicher Höhe mit der Meeresschildkröte zu bleiben. Ich musste meine Bewegungen sogar manchmal etwas verlangsamen. Aber je mehr ich gegen die hereinrollenden Wellen ankämpfte, desto anstrengender wurde es. Und daher hatte ich nicht genug Kraft übrig, um die zurückströmende Welle auszunutzen.


Während eine Welle nach der anderen anderen zum Ufer rollte und wieder zurückströmte, wurde ich immer erschöpfter und schwamm weniger effektiv. Die grüne Meeresschildkröte dagegen passte ihre Bewegungen den Wellen optimal an und kam daher schneller vorwärts als ich.« »Casey«, begann ich, »langsam finde ich Gefallen an einer guten Schildkröten-Geschichte …« »An einer Grüne-Meeresschildkröten-Geschichte«, unterbrach sie mich freundlich. »Verzeihung, an einer Grüne-Meeresschildkröten-Geschichte! Ich denke, mir gefällt eine gute Grüne-Meeresschildkröten-Geschichte genauso wie anderen Menschen.


Sie gefällt mir sogar besonders gut, da ich das Meer liebe. Aber ich verstehe noch nicht, was die Geschichte damit zu tun hat, auf welche Art und Weise Menschen sich für etwas entscheiden, um ein erfülltes Leben zu führen.« »Und ich hatte so große Hoffnungen in Sie gesetzt«, sagte Casey schmunzelnd.


»Okay, okay«, antwortete ich, »geben Sie mir eine Minute Zeit.« Ich dachte über die Dinge nach, die wir vor der Grüne-Meeresschildkröten-Geschichte besprochen hatten. Dann begann ich erneut zu sprechen. »Sie haben gesagt, sobald jemand weiß, warum er hier ist – sobald er seinen ZDE kennt –, kann er seine Zeit damit verbringen, Dinge zu tun, die ihn erfüllen.


Sie sagten außerdem, dass Menschen, die ihren ZDE nicht kennen, ihre Zeit ebenfalls mit einer Menge von Dingen ausfüllen. Ich schloss daraus, dass sie ihre Zeit mit Dingen verbringen, die ihnen nicht dabei helfen, gemäß ihres ZDE zu leben.« »So weit, so gut überlegt!


Ich glaube, Sie stehen unmittelbar vor einer größeren Erkenntnis«, sagte Casey. »Da könnten Sie Recht haben«, antwortete ich und schmunzelte über ihren freundlichen Sarkasmus.  »Ich glaube, die Schildkröte … die grüne Meeresschildkröte … hat Sie Folgendes gelehrt:


Wenn man nicht auf das ausgerichtet ist, was man gerne tun möchte, kann man seine Energie mit einer Menge anderer Dinge verschwenden. Wenn sich dann die Gelegenheit bietet, das zu tun, was man möchte, hat man möglicherweise nicht mehr die Kraft oder die Zeit dafür.« »Sehr gut«, sagte Casey. »Und ich weiß zu schätzen, dass Sie erkannt haben, dass es sich um eine grüne Meeresschildkröte handelt, anstatt lediglich um eine Schildkröte.« Dann wurde sie ernster.


»Es war wirklich ein bedeutender Moment für mich, definitiv eins der ›Aha-Erlebnisse‹ in meinem Leben.« »Jeden Tag versuchen so viele Menschen, uns zu überreden, Zeit und Energie für sie aufzubringen. Denken Sie nur einmal an Ihre Post. Wenn Sie sich auf jede Aktivität, jede Verkaufsaktion und jedes Dienstleistungsangebot einlassen würden, worüber Sie informiert werden, hätten Sie keine freie Zeit mehr. Und das ist lediglich Ihre Post. Wenn Sie zudem alle Menschen dazurechnen, die Ihre Aufmerksamkeit Aufmerksamkeit auf etwas lenken wollen – beispielsweise auf das Fernsehprogramm, auf Restaurants, Reiseziele … – dann tun Sie möglicherweise bald das, was alle anderen auch tun oder von Ihnen erwarten.


Als ich zum Strand zurückkam, nachdem ich die Schildkröte den zweiten Tag beobachtet hatte, war ich erfüllt von all diesen Erkenntnissen. Ich setzte mich und hielt diese Gedanken in meinem Notizbuch fest. Ich erkannte, dass die hereinrollenden Wellen in meinem Leben aus all den Leuten, Aktivitäten und Dingen bestehen, die versuchen, meine Aufmerksamkeit, Energie und Zeit für sich zu gewinnen, die aber nichts mit meinem ZDE zu tun haben.


Die zurückströmenden Wellen sind die Menschen, Aktivitäten und Dinge, die mir dabei helfen können, meinen ZDE zu erfüllen. Je mehr Zeit und Energie ich daher auf hereinrollende Wellen verschwende, desto weniger Zeit und Energie bleibt mir für die zurückströmenden Wellen. Seit ich dieses Bild in meinem Kopf habe, betrachte ich die Dinge aus einer anderen Perspektive.


Ich entscheide viel bewusster, wie viel ich ›herumpaddele‹ und aus welchem Grund.« »Das ist interessant«, sagte ich und dachte über ihre Geschichte nach sowie darüber, wie ich Tag für Tag den Großteil meiner Zeit verbrachte. »Ich verstehe nun, was wir von einer grünen Meeresschildkröte lernen können.«


Casey stand vom Tisch auf. »Ich dachte mir, dass Sie es wohl verstehen würden. Aber ich glaube, ich halte Sie von Ihrem Frühstück ab. Wie wär’s, wenn ich Sie in Ruhe weiteressen lasse und in einer Weile wiederkomme, um zu sehen, wie es Ihnen geht?« »Casey, würden Sie mir ein Stück Papier geben und Ihren Stift leihen, bevor Sie gehen?« »Gerne.« Sie nahm den Stift aus ihrer Schürze, riss ein Blatt von ihrem Bestellblock ab und legte beides auf den Tisch. »Die Antwort wird Sie verblüffen«, sagte sie augenzwinkernd. »Woher wissen Sie …«, wollte ich sie fragen, aber sie war schon auf dem Weg in die Küche.


Ich begann, verschiedene Zahlen auf das Papier zu schreiben. Durchschnittliche Lebenserwartung von 75 Jahren … Universitätsabschluss mit 22 Jahren … an 6 Tagen pro Woche erhalte ich Post … 16 Stunden bin ich pro Tag wach … 20 Minuten verbringe ich jeden Tag mit der Post … Als ich mit meinen Berechnungen fertig war, konnte ich das Ergebnis nicht glauben. Ich rechnete die Zahlen erneut durch und erhielt das gleiche Ergebnis.


Ich stellte fest, dass Casey mit der Wirkung der hereinrollenden Wellen nicht übertrieben hatte. Wenn ich für die Zeit zwischen meinem Universitätsabschluss und meinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr 20 Minuten täglich veranschlagte, um die Post zu öffnen und durchzusehen, die mich eigentlich nicht interessierte, ergab meine Rechnung, dass ich insgesamt fast ein ganzes Jahr meines Lebens mit überflüssiger Post verbrachte. Ich ging meine Rechnung erneut durch. Es stimmte. Ich hatte, ab dem Universitätsabschluss gerechnet, insgesamt voraussichtlich 53 Lebensjahre, und wenn ich nicht aufpasste, würde ich eins davon mit dem Lesen von Werbung verschwenden.


»Nun?« Es war Casey. Ich war so vertieft gewesen in meine Berechnungen, dass ich gar nicht bemerkt hatte, wie Casey zurückkam. »Sie haben Recht«, antwortete ich. »Ich bin überrascht. Mehr als das, ich glaube, ich bin schockiert. Ist Ihnen bewusst, dass allein der Müll in Ihrem Briefkasten ein ganzes Jahr Ihres Lebens verschlingen könnte?« Sie lächelte. »Nicht die gesamte Post besteht aus Müll, John.« »Ja, das weiß ich, aber bei mir besteht der größte Teil daraus. Außerdem geht es ja nicht nur um die Post.


Ich habe mich gerade gefragt, welche anderen hereinrollenden Wellen meine Zeit und Energie täglich beanspruchen.« »Ja, man kann tatsächlich ins Grübeln geraten«, sagte sie. »Deshalb hatte die Begegnung mit der grünen Meeresschildkröte eine so große Bedeutung für mich.« Damit drehte sie sich um und ging zu den Gästen auf der anderen Seite des Cafés.


💛


Mit was verbringst du deine Zeit?

Von was lässt du dich abhalten?

Wohin fließt deine kostbare Zeit?



Damit verabschiede ich mich heute und sage: bis bald und lasse auch an dieser Stelle, eine Portion LIEBE hier und danke dir fürs lesen.


Von ganzem Herzen

💛 Kathrin

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